In Hongkong – «duftender Hafen» auf Kantonesisch – habe ich vor gut zehn Jahren meinen Anker ausgeworfen. Es gibt wohl kaum eine andere Stadt, die ihrem Namen so die Ehre erweist wie Hongkong, verdankt sie doch ihre Identität und ihren Charakter dem Hafen und seinen Düften. Vom kleinen chinesischen Fischerhafen, der erst 1997 nach dem Opiumkrieg des 19. Jahrhunderts von Grossbritannien übergeben wurde, hat sich Hongkong zu einem der grössten Handelshäfen der Welt und zum bekannten Finanzzentrum entwickelt. Durch ihre strategisch günstige Lage wurde die Stadt rasch zu einer wichtigen Schnittstelle zwischen dem aufstrebenden China und dem Rest der Welt. Zwar vermochten ein paar Dschunken und Sampans in den kleinen Fischerhäfen tapfer dem Lauf der Zeit zu trotzen – wie etwa in Aberdeen, wo einst wahre schwimmende Dörfer zu finden waren –, dennoch mussten die meisten dieser traditionellen Boote den riesigen Fischkuttern und Luxusjachten Platz machen.

Hongkong wird gern als Ort voller Kontraste beschrieben, und dies wird nirgends deutlicher als beim Duft – oder, besser gesagt, bei den Düften –, die den Besucher bereits bei der Landung mit maritimen Noten und oft feuchter Hitze begrüssen. Der Geruchssinn ist ständig gefordert mit immer neuen Ausprägungen, sei es im Labyrinth der Wolkenkratzer oder in den verwinkelten Gassen des lebendigen Viertels Kowloon mit dem bunten Sammelsurium an Ständen, Neonbeleuchtungen, lärmigen Märkten und den Dai Pad Dong, den Essensständen auf der Strasse. Manchmal mag er berauscht sein von bezaubernden Aromen, etwa von den Dim Sums in Dampfkörben, von Jasmintee serviert im legendären Hotel The Peninsula oder von den Räucherstäbchen aus den Freilufttempeln; manchmal aber auch überrascht von einem für die westliche Nase ungewohnten Duft, wie etwa jener nach frischem Fleisch aus den Metzgereien unter freiem Himmel, der Durianfrüchte oder nach Fisch, der auf den Trottoirs von Sheung Wan zum Trocknen ausgelegt wird. Sogar geradezu ekelerregende Gerüche können einem in die Nase steigen, etwa jener von fermentiertem Tofu, wie er in den Strassen von Mong Kok verkauft wird, der Mief nach Diesel der berühmten Star Ferry oder jener an Tagen, an denen der Schadstoffrekord gebrochen wird und Paris im Vergleich eine Oase mit frischen Brise erscheint. So ungewöhnlich sie auch sein mögen, in Hongkong passen alle Düfte gut zu einem Tapetenwechsel und zum Ende der Welt. Sie können deshalb jetzt bestimmt besser nachvollziehen, warum Hongkong für mich der beste Hafen ist: Hier liegt immer der Duft nach Entdeckung und Abenteuer in der Luft.

– Bénédicte, Französischübersetzerin