Gandia. Eine an der Costa del Azahar (Spanisch für «Küste der Orangenblüte») liegende Stadt der Provinz Valencia, im Südosten Spaniens, die heute 77 000 Einwohner zählt. Aufgeteilt in elf Bezirke, einer davon namens «Playa». Dort hängen all meine Erinnerungen, all die Sommerdüfte und Erlebnisse aus meiner Kindheit fest. Seit drei Familiengenerationen ist diese Mittelmeerstadt unsere Heimat, darüber wird nicht diskutiert, auch wenn unsere Wurzeln in Galizien liegen. Das warme Mikroklima, welches das ganze Jahr hindurch in Gandia herrscht, hat uns magisch angezogen.

Wie es der Titel schon sagt: Im Sommer ist Gandia eine Party-Meile. Die Spanier, davon nicht auszuschliessen die Hauptstädter, die dreiviertel der Touristen Gandias ausmachen, haben das Vergnügungsfieber in sich. Es vergeht kein lauer Frühsommerabend, ohne dass man mit Freunden in Bars mit frischen Cervezas y tapas sitzt. Das ist eine spanische Philosophie. Und was man in Madrid angefangen hat, geht erst recht in den Sommerferien in Gandia grenzenlos weiter: Feiern bis in die Morgenstunden.

Die einheimischen Gandienser mögen das überhaupt nicht und lassen dies den «Touristen» ziemlich klar wissen. Das hat mich als Kind immer beschäftigt … Heute verstehe ich es. Im Sommer ist es einfach unerträglich. Der wunderschöne Sandstrand übersät von Musikanlagen und berauschten Junggesellen. Niemand sieht mehr die echte Schönheit dieser Stadt: die historischen Strassen in der Altstadt, den Herzogspalast der Borgias – ganzer Stolz der Einheimischen –, die wunderschönen langen Sandstrände, der Hafen und seine Docks, die höchsten Palmen Spaniens, die Farbenpracht des Meeres, die Aussicht auf die Berge und die Orangenplantagen, dank denen (und dem Tourismus) sich die Stadt einige Jahre nach dem Bürgerkrieg wieder erholen konnte.

Man kann die Stadt lieben oder hassen, für mich bleibt Gandia lebenslang im Herzen. Einen Besuch ist sie wert, aber besser nicht in den Sommermonaten!